Der Digitale Produktpass kommt
Transparenz, Nachhaltigkeit und Datenverfügbarkeit – das sind die zentralen Anforderungen der kommenden Jahre. Mit dem Digitalen Produktpass (DPP) hat die Europäische Union ein zentrales Instrument beschlossen, das auf Basis der ESPR – Verordnung (EU) 2024/1781 – ab 2027 für viele Produktgruppen verpflichtend wird. Für viele Unternehmen ist das eine Herausforderung. Für digitale Vorreiter: eine Chance.
Kurz zusammengefasst
- Die ESPR (EU) 2024/1781 ist seit Juli 2024 in Kraft und bildet die rechtliche Grundlage für den DPP.
- Der ESPR-Arbeitsplan 2025–2030 wurde im April 2025 veröffentlicht und benennt priorisierte Produktgruppen.
- Ab 18. Februar 2027 ist der Batteriepass verpflichtend – Unternehmen mit Akkuprodukten müssen jetzt handeln.
- Unternehmen müssen Produktdaten strukturiert, digital und zugänglich machen, z. B. per QR-Code. Ziel: mehr Transparenz, Kreislaufwirtschaft und Datenintegration entlang der Lieferkette.
Was ist der Digitale Produktpass?
Der Digitale Produktpass ist ein strukturierter, digital abrufbarer Datensatz, der alle relevanten Informationen über ein Produkt enthält – von seiner Herstellung bis zur Entsorgung. Er ist eine Art „digitaler Lebenslauf eines Produkts“ und macht sichtbar, was bisher oft verborgen war.
Rechtliche Grundlage ist die ESPR – Verordnung (EU) 2024/1781, die im Juli 2024 in Kraft getreten ist und die bisherige Ökodesign-Richtlinie 2009/125/EG ablöst. Sie ist Teil der EU-Strategie für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft und erweitert den Geltungsbereich auf nahezu alle physischen Waren, die in der EU verkauft werden.
Welche Informationen enthält ein DPP?
Je nach Branche variieren die Anforderungen. Ein typischer Produktpass umfasst:
- Materialzusammensetzung & Herkunft der Rohstoffe
- Umweltwirkungen (CO₂, Energie, Wasserverbrauch)
- Hinweise zu Reparatur, Wartung, Lebensdauer
- CE-Kennzeichnungen, Prüfberichte, Garantien
- Entsorgungs-, Recycling- oder Rücknahmeanleitungen
Zugänglich wird der DPP z. B. über einen QR-Code auf dem Produkt, einen NFC-Chip oder per Weblink – maschinenlesbar und gesetzlich normiert. Wichtig: Die Daten müssen in Echtzeit abrufbar und digital verknüpfbar sein – idealerweise über ein PIM-System gepflegt und automatisch aktualisiert.
Warum das Thema jetzt relevant wird
Mit der ESPR – Verordnung (EU) 2024/1781 ist der Digitale Produktpass Realität.
Wann | Produktgruppe | Status |
|---|---|---|
Ab Februar 2027 | Batterien & Akkus (>2 kWh) | ✅ Rechtlich fixiert – Batterieverordnung (EU) 2023/1542 |
Ab Jänner 2026 | Batterien (abgeschwächte Form) | ⚠️ Bereits in Kraft |
Bis 2030 (indikativ) | Textilien, Bekleidung | ⏳ Delegierte Rechtsakte in Ausarbeitung |
Ab 2030 (indikativ) | Elektronikgeräte, Möbel, Reifen, Verpackungen u. v. m. | ⏳ Delegierte Rechtsakte geplant |
Hinweis: Für Textilien, Elektronik und weitere Produktgruppen werden die delegierten Rechtsakte noch erarbeitet. Die genauen Pflichttermine stehen daher noch nicht verbindlich fest. Unternehmen sollten die Entwicklung aktiv verfolgen und ihre Datenarchitektur bereits jetzt vorbereiten.
Ab 2026 richtet die EU zudem ein zentrales Produktpassregister ein, über das ein gestufter Zugriff Dritter ermöglicht wird.
Technische Infrastruktur nimmt Form an
Sechs von acht zentralen EN-Normen – u. a. zu Datenträgern, Unique Identifiers, Datenprotokollen und Interoperabilität – haben im April 2026 die nationale Abstimmung der europäischen Normungsinstitute bestanden. Das bedeutet: Die technische Grundlage für die DPP-Umsetzung ist weitgehend definiert. Unternehmen können und sollten ihre IT-Architektur bereits daran ausrichten.
Was Unternehmen jetzt davon haben
Wer heute startet, ist morgen nicht nur compliant, sondern auch strategisch voraus.
- Transparenz gegenüber Kund:innen & Partnern
- Effizientere Prozesse durch strukturierte Datenflüsse
- Stärkere Marke durch Rückverfolgbarkeit & Nachhaltigkeit
- Basis für neue Services – von Self-Service-Portalen bis Predictive Maintenance
- Vorsprung bei regulatorischen Anforderungen & potenzielle Förderzugänge
Wie Evol.X unterstützt
Viele Unternehmen haben die Daten – aber nicht die Struktur. Wir helfen, genau das zu schaffen: eine DPP-fähige Datenarchitektur, die funktioniert und mitwächst.
Unsere Leistungen:
- Analyse & Neustrukturierung bestehender Produktdaten
- Einführung & Anbindung von PIM-/DAM-Systemen
- Entwicklung digitaler Schnittstellen (z. B. zu ERP, CMS, CRM)
- Beratung zu Prozessen, Governance & interner Verantwortlichkeit
- Aufbau DPP-konformer Ausspielkanäle (QR-Logik, Portale, Exportformate)